Fakten / Facts
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Geographie/Geography

Geographie: Geographisch gesehen liegen nur etwa 3% der Türkei in Europa. Der Großteil des Landes gehört zu Asien. Dies spricht nicht unbedingt für die Einbeziehung der Türkei in die EU. Andererseits kann die Lage zwischen den beiden Kontinenten auch als Vorteil gesehen werden, da die Türkei gute Handelsbeziehungen zum Nahen Osten, der Mittelmeerregion und Zentralasien pflegt. Daher könnte die Türkei eine Brücke zwischen Ost und West bilden. Eine Annäherung könnte Konfliktpotenziale, die über eine zukünftige EU-Grenze hinausgehen, deutlich machen, vielleicht aber auch zu besseren Lösungen führen.

Geography: Geographically speaking, only about 3 % of the country’s territory is located in Europe. The main part belongs to Asia. This doesn’t really count as an argument for the inclusion of Turkey into the EU. On the other hand, the location between the continents can also count as an advantage as Turkey has good trade connections to the Middle East, the Mediterranean area and central Asia. Therefore, Turkey could form a bridge between East and West. A convergence could reveal potential for conflicts, which cross the prospective borders of the EU, but could also possibly lead to better solutions.


Wirtschaft/ Economy

Wirtschaft: Im Gegensatz zur europäischen Wirtschaft erlebt die türkische Wirtschaft eine enorme Wachstumsphase. Verantwortlich für dieses Wirtschaftswachstum von ca. 10% im Jahr 2010 ist unter anderem die junge, gut ausgebildete Bevölkerung, die Veränderung ihres Konsumverhaltens und die zentrale geographische Lage. Ein Beitritt in die EU könnte also vermutlich auch den europäischen Binnenmarkt stärken und dem türkischen Markt Stabilität geben. Aber durch die Zollunion findet bereits reger Handel zwischen der EU und der Türkei statt. So stammen beispielsweise 85% der in der Türkei getätigten Investitionen aus EU-Ländern. Dennoch: Die Türkei ist beispielsweise bei Energie- und Vorprodukten auf den Import angewiesen und es ist nicht ganz klar, ob auch wirklich die ganze Bevölkerung von dem Wirtschaftsboom profitieren kann.

Economy: In contrast to the European economy, the Turkish economy is experiencing an enormous period of growth. Responsible for this economic growth of about 10% in 2010 is, amongst others, the young and well-educated population, the change of their consumer behaviour and the central geographic location. Thus, an entry into the EU could probably also strengthen the European Single Market and give stability to the Turkish market. But thanks to the Customs Union there is already brisk trade between the EU and Turkey. That way, for instance, 85% of investments in Turkey come from countries in the EU. However, as an example, Turkey depends on the import of energy and preliminary products and it is not quite clear if the entire population can actually benefit from the economic boom.


Politik/ Politics

Politik: Die politische Situation in der Türkei ist nicht sehr eindeutig. Das Land wird von einer konservativen muslimischen Partei geführt, die Todesstrafe ist abgeschafft, der Staat ist laizistisch und es wurden Verfassungsänderungen für die Verbesserung der Menschenrechtssituation durchgeführt. Auf den ersten Blick scheint diese Politik fortschrittlich. Aber in einigen Punkten mangelt es an der Umsetzung. Gleichberechtigung, Presse- und Meinungsfreiheit und der Schutz von Minderheiten, wie den Kurden, wurden noch nicht vollständig verwirklicht. Oft gibt es auch Rückschläge, wie zum Beispiel Verhaftungen von politisch unliebsamen Journalisten. Daher steht der Türkei noch eine Menge Arbeit bevor, um die rechtliche Situation der gesamten Bevölkerung zu verbessern. Trotzdem könnte die Türkei, wenn sie es schaffen würde dieses Ziel zu erreichen, beweisen, dass Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, westlicher Lebensstil und der Islam sich nicht ausschließen.

Politics: The political situation in Turkey is unclear. The country is led by a conservative Muslim party, the death penalty is abolished, the state is laical and constitutional amendments for the amelioration of human rights implementation were carried out. On the surface, the policy seems to be progressive. But in some points the implementation of human and basic rights is lacking. Equal rights, freedom of press and opinion and the protection of minorities, such as the Kurds, have not yet completely been realized all over the country and are often endangered by reversals such as the arrest of politically disagreeable journalists. Therefore, there is still a lot of work in store for Turkey to improve the judicial situation of the entire population. Nevertheless, if Turkey can manage to achieve those goals, the country would have the chance to show that democracy, a constitutional state, a Western lifestyle and Islam are not mutually exclusive.


Bevölkerung/ Population

Bevölkerung: Die Türkei hat 73,7 Mio. EinwohnerInnen. Die demografische Zusammensetzung der türkischen Bevölkerung unterscheidet sich in einiger Hinsicht sehr von der europäischen. Während die europäischen Bevölkerungszahlen abnehmen und das Durchschnittsalter stetig steigt, ist die türkische Bevölkerung im Durchschnitt jung und wächst immer weiter. Das ist ein Vorteil, weil die jungen EinwohnerInnen für einen großen Anteil an erwerbstätiger Bevölkerung sorgen. Auf der anderen Seite zeigt dies auch, dass die Türkei von Anfang an ein sehr starkes EU-Mitglied und damit auch starker Konkurrent für die mächtigen Nationen, wie beispielsweise Deutschland und Frankreich werden würde. Da die Anzahl der Sitze im Europäischen Parlament von der Bevölkerungszahl abhängig ist, hätte die Türkei sogar mehr Sitze als Frankreich und nebenbei würden alle anderen Nationen Sitze und damit auch Macht verlieren.

Population: The composition of the Turkish population is in some points very different from the European. While the European population is shrinking and getting older and older, the Turkish population is young and growing. That’s an advantage because the young population offers a big work force. Nevertheless, this shows that Turkey would be a strong member right from the start and a strong rival for powerful nations such as France and Germany. As the number of seats in the European Parliament depends on the population, Turkey would have even more seats than France and all the other countries would lose seats and therefore power.


Religion

Beinahe 99% türkischen Bevölkerung ist muslimisch. Diese Tatsache scheint für einige Teile der größtenteils christlichen EU-Bevölkerung abschreckend zu sein. Aber was ist eigentlich mit dem EU-Motto „In Vielfalt vereint“? Ist die EU an bestimmte religiöse Konfessionen gebunden? Das ist nicht nur eine Frage, die die Kandidatur der Türkei betrifft, sondern eine grundlegende Frage nach der Identität der EU. Die Union sollte sich darin sicher sein, ob eine intensiver Austausch von Kulturen und religiöser Pluralismus auch ein tolerantes und friedfertiges Zusammenleben fördern werden.

Religion: The large majority of the Turkish population is Muslim. This fact seems to be dissuasive for some parts of the mainly Christian population of the EU. But what about the EU’s motto “United in diversity”? Is the EU bound to specific religious denominations? This is not only a question concerning the candidature of Turkey, but also the identity of the European Union. The Union should be certain if an intense exchange of cultures and religious pluralism will bring forward a tolerant and peaceable cohabitation of society.

 

Die Kopenhagener Kriterien/ Copenhagen Criteria

Die Kopenhagen Kriterien
Die Kopenhagener Kriterien von 1993 legen fest, welche politischen, wirtschaftlichen sowie Integrationskriterien Bedingung für den Beitritt eines Landes in die EU sind:

Politische Kriterien:

  • Stabile, die Demokratie gewährleistende Institutionen
  • Rechtsstaatlichkeit
  • Achtung und Einhaltung der Menschenrechte
  • Achtung und Schutz von Minderheiten

Wirtschaftliche Kriterien:

  • Funktionierende Marktwirtschaft
  • Die Fähigkeit, dem Wettbewerbsdruck des Binnenmarktes standzuhalten

 

Integrationskriterien:

  • Die Übernahme des Europäischen Gemeinschaftsrechts
  • Die Fähigkeit, die mit der EU-Mitgliedschaft verbundenen Pflichten  und Ziele  der  politischen und der Wirtschafts- und Währungsunion mitzutragen


Copenhagen criteria
The Copenhagen criteria from 1993, contain political, economic and integration criteria whose fulfillment mandatory for a country to join the EU. A candidate has to fulfill the following criteria:


Political criteria, including:

  • Stability of institutions guaranteeing democracy
  • The rule of law
  • respecting and following the human rights
  • respect for and protection of minorities

Economic criteria, such as:

  • a functioning market economy
  • The capacity to cope with competitive pressure and market forces within the Union

Integration criteria, containing:

  • The adoption of the European Community Law
  • The ability to take on the obligations of membership including adherence to the goals of political, economic & monetary union